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bruderflucht
Eines Tages war ihr Vater aufgestanden und hinausgegangen. Irgendwann kam er wieder zurück. Keiner konnte sagen, wie lange er weg gewesen war. Aber mit seiner Rückkehr änderte sich alles.
Bastian und Danny können sich noch sehr genau an die vom Schreck aufgerissenen Augen der älteren Frau erinnern, die mit ihrem Vater die Wohnung betrat. Ganz in schwarz gekleidet, leicht untersetzt und mit dicken, kurzen Beinen schrie ihre Gestalt nach Flucht. Was immer sie zum Bleiben veranlasst hatte, ihr Glauben, ein Kreuz baumelte über ihrem Pullover mit V-Ausschnitt, ihr Mutterinstinkt, ein Mitleid andeutendes Lächeln voller Nachsicht, oder finanzielle Gründe, sie ging an ihre Aufgabe, die Wohnung und die Familie vor der Verwilderung zu bewahren, voller Hingabe und Engelsgeduld heran. Die blauen Müllsäcke waren schnell vollgestopft und das Wasser im Putzeimer nach einem Eintauchen des Putzlappens schwarz. Während Frau Carmil, fünfundfünfzig Jahre alt, seit zwei Jahren Witte, zwei Töchter, einen Sohn und fünf Enkel, putzte, schimpfte sie ununterbrochen auf Gott und ihr Leben.
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